KlimaNotizen – ergänzende Infos zum Klimawandel

Kyoto - scharfe Kritik aus Russland

Liebe Leser,

es ist bekannt, dass es in der russischen Regierung zum Abkommen von Kyoto eine sehr skeptische Haltung gibt.
Auf der Klimakonferenz in Moskau Anfang Oktober 2003 witzelte Putin sogar:
“Vielleicht ist eine Erwärmung gar nicht so schlecht. Wir müssen dann weniger Geld für Pelzmäntel ausgeben”.
Die EU hofft dennoch auf eine Unterzeichnung. Ohne Russland kann Kyoto nicht in Kraft treten. Derzeit mehren sich die Anzeichen, dass eine Entscheidung fallen wird.
Dies ist auch der Anlass für diesen Newsletter.

Heute wurde bekannt, dass die russische Akademie der Wissenschaften Präsident Putin aufgefordert hat das Abkommen nicht zu unterzeichnen. Es fehle die wissenschaftliche Grundlage, so schreiben die Wissenschaftler4.

Es wird hart geurteilt:
Kyoto sei ein Gulag oder ein Auschwitz für die russische Ökonomie, so äußerte sich der russische Regierungsberater für Ökonomie, Andrei Illarionov3.
Andere vergleichen Kyoto mit einer Ideologie und ziehen Parallelen mit dem Marxismus, der auch aus Europa kam.

Das erscheint für deutsche Ohren wie starker Tobak.

Wenig bekannt sind in Deutschland die Argumente, mit denen diese Haltung begründet wird.

Andrei Illarionov hat in einer Präsentation1 seine Sicht der Dinge dargestellt.
Diese Darstellung erscheint überraschend detailliert und ist in Deutschland kaum bekannt.

Bei einer eigenen Meinungsbildung sollte sie mit einbezogen werden

Weitere Themen für den Newsletter sind in der Warteschlange.
...
Für Infos, Anregungen und Meinungen bin ich dankbar.
Mehr gibt es außerdem auf der Homepage:
www.KlimaNotizen.de

Mit besten Grüßen

Klaus Öllerer
info@KlimaNotizen.de

 

Kyoto - scharfe Kritik aus Russland

Andrei Illarionov ist Putins ökonomischer Berater und gilt als Vater der russischen Marktwirtschaft.
Am 30. Januar hielt er eine Präsentation vor dem National Press Club in Washington, die sehr detailliert seine Kritik an Kyoto zusammenfasst.

Die aus meiner Sicht wichtigsten Argumente sind hier dargestellt, ergänzt um einige erläuternde Informationen:

1. Kyoto diskriminiert Russland

Russlands CO2-Emissionsgrenzen sind niedriger als die anderer Länder, die nicht von Begrenzungen betroffen sind. Dadurch werden starke Nachteile befürchtet.

2. Russland wird kein Verkäufer sondern ein Käufer von CO2-Zertifikaten sein

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung wird Russland kein Verkäufer sondern ein Käufer von Zertifikaten sein. Grafik: aktuelle CO2-Emissionen, konservative Vorschau und die Grenzen durch Kyoto.
Die schraffierten Flächen zeigen wieviel Zertifikate künftig verkauft (vor 2014) und wieviel zugekauft werden müssen (nach 2014). Demnach unterliegt die weitere Entwicklung Russlands ab 2014 starken CO2-Restriktionen.

3. Kyoto verträgt sich nicht mit Wirtschaftswachstum und Wohlstandssteigerung

Diese Grafik zeigt die Kopplung zwischen Emissionen und wirtschaftlichem Wachstum von 38 entwickelten Ökonomien (1991-2000). Danach ist der Zusammenhang zwischen der Größe des Wachstums und den CO2-Emissionen linear. Mit anderen Worten: Reduzierte Emissionen=reduziertes Wachstum. Bei Null-CO2-Wachstum ist immer noch ein wirtschaftliches Wachstum von 2% möglich. In 2003 betrug das russische Wachstum 7%.
Es ist auffallend, dass die Länder, die Kyoto befürworten, eher wachstumsschwache Länder sind.

4. Kyoto basiert auf technischen Illusionen
Es wird nicht geglaubt, dass fossile Brennstoffe in überschaubarer Zeit durch andere Energien ersetzt werden können. Das Dilemma in Deutschland mit den alternativen Energien, insbesondere der Windenergie, könnte hier vielleicht als Bestätigung angeführt werden. Das Dilemma besteht darin, dass Alternativenergien einerseits gewollt werden, diese aber andererseits teuer und wenig ergiebig sind.

5. Kyoto besteht aus fehlerhafter Wissenschaft

Es gibt keinen deutlichen Zusammenhang zwischen Temperatur und CO2.
Die Temperaturänderungen sind mit CO2-Änderungen nur von 1976 bis 2003 korreliert. Das ist nur eine von sechs Perioden von 1860 bis 2003.
Desweiteren gibt es keinen Zusammenhang zwischen extremen Wettereignissen und einer Erwärmung.

6. Erwärmung ist gut für die menschliche Entwicklung und Abkühlung ist schlecht
Mutter Naturs Massenvernichtungswaffe ist globale Abkühlung und nicht Erwärmung. In der Geschichte der Menschheit waren Warmphasen verbunden mit Wohlstand und Fortschritt (Heute, Mittelalter, Römisches Optimum, etc.). Kaltzeiten stehen für Nöte und Katastrophen (Völkerwanderung, Kleine Eiszeit vom 15. bis 19. Jhdt, etc.).

Die ganze umfangreiche Präsentation kann unter untenstehendem Link heruntergeladen werden.

Eine BMBF-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Kyoto klimatisch wirkungslos ist. Im Newsletter Nr. 2 hatten wir darüber berichtet.

18.05.2004

Klaus Öllerer

1. A. Illarionov, Adviser to the President of Russia (1,4 MB, Power Point):
THE KYOTO PROTOCOL AND RUSSIA:WHAT IS TO BE DONE?
oder aus dem Archiv

2. Interfax v. 25.04.2004: Ratification of Kyoto Protocol detrimental for Russia - expert

3. The Moscow Times v. 15.04.2004: Illarionov Likens Kyoto to Auschwitz

4. Radio Canada v. 17.05.2004: Le protocole de Kyoto pratiquement enterré

 

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(John Maynard Keynes)

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Daher stehen hier vor allem Informationen, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz zu kommen scheinen.
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